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Kleine Ortschronik

Aufgeschrieben von Roland Paeßler in den "Heimatblättern"

 

Die Gemeinde Großharthau umfaßt den alten Ort Großharthau, der im 19. Jahrhundert noch als ,Harthau' mit Ortsteil ,Kleinharthau' bekannt war, und seit dem 1.1.1994 auch die ehemals selbständigen Ortschaften Bühlau und Schmiedefeld sowie seit dem 1.3.1994 den Ort Seeligstadt in sich vereint. Insgesamt zählte im Jahre 1995 die Gemeinde 3036 Einwohner.

1223 oder 1228 - Ersterwähnung

Erstmals urkundlich erwähnt wird Harthau 1223 im Protokoll der Unterhändler des Königs der Böhmen und des Bischofs Bruno von Meißen. Wenn einige Historiker (darunter PRASSER und GERCKEN) hier das Jahr 1228 nennen, hängt das mit den unterschiedlichen Deutungen des Schriftbildes der alten Urkunde zusammen. Diese wurde 1241 durch König Wenzel von Böhmen auf dem Königstein bestätigt. 1346 wird Harthau als Kirchdorf erwähnt, wobei aber die erste Kirche, die 1662 wegen Baufälligkeit abgerissen werden mußte, schon aus dem 13. Jahrhundert stammte. Die 1662 neu erbaute Kirche - ihr Turm wurde erst im Jahre 1692 errichtet - brannte

1793 - Kirchenbrand

am 15. August 1793 infolge eines heftigen Gewitters ab. Der Brand war so verheerend, daß es noch die Wirtschaftsgebäude des Rittergutes, den Gasthof und fünf weitere Häuser vernichtete. Dabei wurde auch die damals 2000 Bände umfassende Bibliothek vernichtet.
Diese wurde 1736 der Kirche von der Gräfin Flemming geschenkt und durch den Brand ein Opfer der Flammen. Noch im gleichen Jahr begann man mit dem Wiederaufbau der Kirche, die dann am 23.11.1794 eingeweiht wurde.

 1559 - Einführung der Reformation

Mit der Übergabe dieses Stiftsgebietes efolgte die Enführung der Reformation durch vom Kurfürst eingesetzte Visitatoren. Dies war in Lauterbach mit Bühlau am 5. Januar 1559, am 9. Januar in Seeligstadt, am 10. Januar in Schmiedefeld und am 11.Januar in Großharthau.

1523 bis 1559 - Pfarrstelle unbesetzt

Uneinigkeit zwischen dem Bischof von Meißen und Herrn von Krahe auf Großharthau war die Ursache, daß 36 Jahre die Pfarrstelle in Großharthau (von 1523 bis 1559) unbesetzt blieb.
Aber auch schon vor dieser Zeit hat die Gutsherrschaft einen großen Einfluß auf die Entwicklung Großharthaus ausgeübt ja, es wird sogar in einer alten Handschrift des Richters Johann Andreas TEICH berichtet:
"Was das Rittergut Harthau betrifft: So hat anfangs von uralten Zeiten mehr nicht, als nur ordentlicherweise das Wohnungsrevier und daraufstehendes Herrenhaus, Scheune, Pferde-, Rindvieh- und Schafställe und eine enge Befriedigung um den Hof, eine Wiese zwischen dem Hofe, über welche die Wäsentz fließet ... gehöret".
Noch ehe das waldhufenförmig gegliederte Dorf von deutschen Siedlern im 12. oder 13. Jahrhundert erbaut wurde, hat mit großer Wahrscheinlichkeit schon dieses Wasserschloß an dem uralten Handelsweg, der sich längs der Wesenitz hinzog (PRASSER) als Befestigungsanlage bestanden.

 

Deshalb ist auch versucht worden, den Namen Harthau vom altsorbischen "Hart" (Schloß) abzuleiten. Nicht unbedingt widerlegbar ist die Ableitung des Ortsnamens vom germanischen "Harth" (= Ort im Wald). Ob in diesem alten Wasserschloß einstmals deutsche oder sorbische Ritter gewohnt haben, können wir heute mit Sicherheit nicht mehr sagen.

1121 - Erwähnung Bühlaus

Für die erste Annahme spricht daß am Verlauf des uralten Handelsweges schon vor der deutschen Ostbesiedlung Bühlau (Byla, Bela) als sorbischer Weiler bestanden haben muß, denn schon 1121 wird dieser 0rt im Zusammenhang mit der Errichtung der Burg Stolpen vom Sekretär und Geschäftsführer des Prager Bischofs, dem böhmischen Chronisten COSMAS (1040-1125), erwähnt.
Obwohl die nach dem Jahre 531 eingewanderten sorbischen Stämme vorrangig das ursprünglich von Semnonen (Hauptvolk der Sweben) und danach von Burgundern und kurzzeitig auch Vandalen besiedelte Land nördlich des Lausitzer Mittelgebirgswaldes in Besitz nahmen, siedelten sie vereinzelt auch an alten Handelswegen in diesem Wald.
Für die zweite Möglichkeit, also einer deutschen Besatzung des alten Wasserschlosses in Großharthau, könnte sprechen, daß schon in merowingischer Zeit gelegentlich eine territoriale Abhängigkeit der Sorben vom fränkischen Reich bestanden hat. Schon Dagobert I. (608 - 638) hatte in der Auseinandersetzung mit Samo, dem Beherrscher Böhmens, der seine Herrschaft auch über die sorbischen Stämme ausgedehnt hatte, versucht, hier die fränkische Oberhoheit zu festigen (GROSSERN, Lausitzische Merckwürdigkeiten, 1714).

967 - Gründung Bistum Meißen

Diese Politik wurde später von den Karolingern und dem deutschen König Heinrich I. mit beginnenden Bekehrungsversuchen der heidnischen Sorben fortgesetzt, bis im Jahre 967 mit der Gründung des Bistums Meißen durch Otto I. die Voraussetzungen für die Befestigung des Christentums in den sorbischen Gauen geschaffen war.
Eigentümlicherweise wird in den erwähnten "Harthauer Alte Wissenschaften" des Richters TEICH davon gesprochen, daß unsere Gegend in ältesten Zeiten ein schwäbisches Volk bewohnt hatte, womit die Semnonen gemeint waren, was auch später von GROSSERN (1714) bestätigt wird und mit neueren archäologischen Forschungsergebnissen übereinstimmt.

1350 - Ersterwähnung Rittergut

Erst 1350 wird mit Henlein von der Aue ein Besitzer des Harthauer Rittergutes urkundlich erwähnt Der Bischof von Meißen verlangte am 6. April 1350 vom Besitzer Harthaus das Gelöbnis, den Hof ncht zu einer mit Mauern befestigten Wehranlage ohne Wissen des Landesherren auszubauen.
1402 waren die Herren von Haugwitz Besitzer von Harthau. Ihnen folgte ein Hans von Schönberg, der 1465 das Gut an Hans von Krahe verkaufte. 1503 kam es zu Differenzen zwischen Wilhelm von Krahe, der dem Gastwirt von Harthau einen Salzschank bewilligt hatte, und den Städten Bischofswerda und Stolpen, die dieses Privileg fur sich beanspruchten. Der Bischof entschied zugunsten der Städte. 1596 beschloß der Rat der Stadt Bischofswerda den Kauf Harthaus, aber in der Nacht vor dem beabsichtigten Kaufabschluß wurde der Stadt das in einem Gewölbe des Kirchturmes dafür bereitliegende Geld gestohlen.

Siebenjähriger Krieg

Sie finden im folgenden die abwechslungsreiche Geschichte des Rittergutes, die auch das Bild des Ortes Großharthau prägte.
Einquartierungen, Plünderungen und Kontributionen sind in Großharthau viel haufiger als in anderen Orten vorgekommen, auch Seuchen wurden oft eingeschleppt. In der 2. Hälfte des Dreißigjährigen Krieges kam es in unserer Gegend oft zu Plünderungen und Brandschatzungen durch kaiserliche Truppen.
PRASSER berichtet in seiner Großröhrsdorfer Chronik aber auch von erschütternden Vorgängen beim Durchmarsch der Schweden in Großharthau. Die Bewohner suchten in den Wäldern Zuflucht und viele von ihnen kehrten erst ein Jahr nach dem Waffenstillstand in ihr Dorf zurück.

1813 - Napoleon übernachtete dreimal im Schloß

In der Massenei hatten sich nach diesem Kriege aber auch die Wölfe bedrohlich vermehrt. Im Siebenjahngen Krieg befand sich ein preußischen Heerlager in Großharthau, so daß 1757 dem 0rt allein in zwei Tagen Proviantkosten von 6.064 Talern und 3 Groschen entstanden.
1761 verschanzte sich der österreichische Feldzeugmeister Laudon mit 60.000 Mann auf dem Kapellenberg zwischen Großharthau und Schmiedefeld.
Auf dem gleichen Berg haben dann 1813 die Russen Stellungen bezogen. Infolge der Kampfhandlungen brannten am 12. Mai 1813 in Schmiedefeld 39 Gebäude ab. In Großharthau benutzten die Franzosen damals die Kirche gar als Schlachthaus, auch hier wurden zahlreiche Gebäude eingeäschert. In Seeligstadt aber wurde die 33jährige Rosina Eisold von einer in das Herdfeuer gebrachten Granate zerrissen (31. 3. 1813).
An die vielen Opfer und Drangsale der beiden Weltkriege in unserem Jahrhundert aber können sich noch heute alle Menschen erinnern, die diese Zeit miterlebt haben.

 

wird demnächst fortgesetzt....